Seit dem 1.Dezember gilt die »Dringlichkeitsliste Kinderarzneimittel Herbst-Winter 2023/2024«. Für die hier gelisteten rund 350 Pharmazentralnummern (PZN) gelten gelockerte Austauschregeln. Eine echte Erleichterung bedeutet die politische Maßnahme zur Bewältigung der Lieferengpässe für Apotheken allerdings nicht.
Bundesgesundheitsminister Professort Karl Lauterbach (SPD) hatte bereits am 14. September gemeinsam mit Vertretern der Apotheker- und Ärzteschaft einen Fünf-Punkte-Plan gegen Lieferengpässe vorgestellt. Die gesetzliche Änderung in §129 Absatz 2b SGB V wurde im Omnibusverfahren mit dem Pflegestudiumstärkungsgesetz (PflStudStG) umgesetzt. Damit wurde das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ermächtigt, in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die »Dringlichkeitsliste« zu erstellen. Die konkreten Pharmazentralnummern (PZN) sind seit Anfang November bekannt, die Liste gilt ab dem 1. Dezember. Austausch der Darreichungsform Nach der Neuregelung können Apotheken, bei Nichtverfügbarkeit eines nach Maßgabe des Rahmenvertrags nach § 129 Absatz 2 SGB V abzugebenden Arzneimittels, das Arzneimittel gegen ein wirkstoffgleiches in der Apotheke hergestelltes Arzneimittel, auch in einer anderen Darreichungsform, oder gegen ein wirkstoffgleiches Fertigarzneimittel in einer anderen Darreichungsform, ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt austauschen. Die ABDATA hat den Softwarehäusern zum 1. Dezember Informationen zur Verfügung gestellt, welche PZN auf der aktuellen BfArM-Liste stehen. Die werden in der EDV dann entsprechend angezeigt und die Verordnungsvorgaben erklärt. Nach der Prüfung heißt es am Ende beispielsweise: »Alle im Rahmenvertrag vorgesehenen Abgabemöglichkeiten sind ausgeschöpft.« Und: Eine Änderung der Verordnung sei nicht notwendig, um den Patienten oder die Patientin vertragskonform zu versorgen. Allerdings müssen die Apotheken zunächst die Abgabe-Rangfolge beachten – also Rabattverträge, vier preisgünstigste Generika, Importe überprüfen. Das BMG hatte diese enge Auslegung des GKV-Spitzenverbands bestätigt, als es um die Abgabeerleichterungen im Lieferengpassgesetz (ALBVVG) ging. Einziger Vorteil der Dringlichkeitsliste ist, dass die Apothekenteams beim Austausch der Darreichungsform keine Rücksprache mit dem verordnenden Arzt / der Ärztin halten müssen. Das ginge aber auch bei einer Akutversorgung. Prüfpflichten bleiben Die seit Anfang November veröffentlichte Liste wurde zum 1. Dezember für gültig erklärt und enthält laut BfArM »essenzielle Arzneimittel für die Pädiatrie, die in der kommenden Infektionssaison möglicherweise einer angespannten Versorgungssituation unterliegen«. Gelistet sind vor allem Antibiotika-Säfte beziehungsweise Trockensäfte, Schmerz- und Fiebermittel, aber auch Asthmaspray und abschwellende Nasentropfen. Für die Herstellung von Rezepturen und für den Austausch der Darreichungsform wird bei Arzneimitteln auf der Dringlichkeitsliste eine Retaxation ausgeschlossen, genauso wie eine Beanstandung in Wirtschaftlichkeitsprüfungen für die Ärzteschaft. Detailfragen könnten in der Praxis noch auftauchen, etwa wenn beim Austausch unterschiedliche Dosiereinheiten oder Indikationen betroffen sind. Quelle: Pharmazeutische Zeitung 01.12.2023
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